Geschäftsbericht
2020
10/44

UNSER WASSER – UNSERE HEIMAT

Von Milch, Kühen, Arbeit und Verordnungen

Ein Leben zwischen Leidenschaft und Idealismus

Wer „Ferien auf dem Bauernhof“ bei Hellmers in Eggeloge bucht, sollte kein Romantiker sein. Mareike Wiemken und ­Bernd Hellmers stehen für die neue Generation konventioneller Landwirte. Sie führen ihre Familienbetriebe in die Zukunft, ohne ­dabei ihre Wurzeln zu verleugnen.

Leidenschaftlich gern Landwirt: Bernd Hellmers 

Dieter Hellmers lacht: „Ja, doch, es gibt einige, die hier Urlaub machen und dann auch mit anpacken.“ Viele dieser „Stadtpflanzen“ kommen mit der Idee grüner Weiden, grasender Kühe und strahlenden Sonnenscheins nach Eggeloge und sind dann erstaunt, dass hinter der Ferienwohnung ein Betrieb mit rund 580 Tieren, einer Biogasanlage und viel Arbeit auf sie wartet. Bernd, Hellmers’ 32-jähriger Sohn, bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie den Hof.

Rund 19 Kilometer entfernt, auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Nethen, kümmert sich Mareike Wiemken aus Wiefelstede mit ihrer Mutter um 350 Tiere. Selbstbewusst und pragmatisch vertreten die beiden den Generationswechsel, der auf vielen Höfen vollzogen wird. Die jungen Landwirte sind studiert, aufgeklärt und bringen den nötigen Enthusiasmus und die Leidenschaft für einen harten Arbeitstag mit.

Bei Landwirtin Wiemken kümmerte sich schon der Großvater um das Vieh und die Acker­flächen. Er gehörte noch zu einer Generation, die gar nicht oder hauptsächlich mit Mist gedüngt hat. Als ihr Vater in die Fußstapfen des Opas stieg, wurde nach damals gültigen Empfehlungen gedüngt: Es ging um Ertragsmaxi­mierung für ein immer hungrigeres Volk.

» Eigentlich wollen wir alle das Gleiche: Trinkwasserschutz, Qualität und Ertrag. 
Mareike Wiemken


Wunsch nach Lob und Anerkennung  

Bernd Hellmers kennt das und erinnert sich an Nachkriegsgeschichten seiner Großeltern: „Da standen hungrige Flüchtlinge vor der Tür, und ich vermute, dass in dieser Zeit der Gedanke ‚Wir Bauern sind die Ernährer‘ entstand.“ Beide bedienen mit ihrem Produkt die Ammerländer Milchwerke und sorgen so dafür, dass Kühlschränke mit Milch, Käse und Butter gefüllt werden können. Und sie wissen, hinter dem simplen Griff in den Kühlschrank steckt eine Menge Arbeit und – das sei nicht verschwiegen – auch Anfeindung.

Düngeverordnung, Dokumentation, Nitrat, Phosphor oder Nmin-Wert sind nur ein paar Schlagworte, die zum täglichen Werkzeug der Landwirte gehören. Im Endeffekt geht es um die Umwelt, dennoch lassen die Verordnungen die Köpfe schwindelig werden. Zumal es immer neue gibt. „Wenn man ehrlich ist, kämpfen wir mit den Folgen der Generation unserer Eltern“, erklärt Wiemken, „und unsere Bemühungen werden erst in 20 bis 30 Jahren messbar sein.“ „Wir hören oft, die Nmin-Werte sind zwar schon gesunken, aber das muss noch besser werden“, berichtet Hellmers und ergänzt, dass Lob dem Idealismus der Landwirte wohl förderlicher wäre als die ewige Kritik. 

Trinkwasser statt Grundwasser – aus Qualitätsgründen

Passion und Idealismus gehören auch zu diesem Beruf: Zwei Stunden am Morgen und zwei am Abend gehen im Betrieb von Hellmers schon zum Melken drauf. Hinzu kommt die Bestellung der Felder, das Führen der Bücher, Dokumentation und das Engagement in der Kooperation. Um seinen Hof von rund 315 Hektar zu bewirtschaften und sein Vieh zu versorgen, benötigt er jährlich rund 4.000 Kubikmeter Trinkwasser vom OOWV. Damit werden in erster Linie die Tiere getränkt und die Melk­maschinen gereinigt. 

„Unsere Brunnen sind nicht so tief, wir sind schnell auf Lehm, und da ist das Wasser relativ eisenhaltig“, erklärt Hellmers. Um gute Qualität zu garantieren, trinken die Kühe deswegen Trink- und kein Brunnenwasser. In Hitzeperioden oder bei langanhaltenden Dürrephasen, wie sie das Jahr 2018 mit sich brachte, ist der Trinkwasserbedarf noch höher. „Wir sind küstennah und haben meist ausreichend Niederschlag, aber 2018 war ein heftiges Jahr“, sagt Hellmers, der sich seitdem in der freiwilligen Kooperation zum Wasserschutz engagiert.

Bewusster Einsatz von Düngemitteln

Ebenso wie Mareike Wiemken. Als stellvertretende Sprecherin des Trinkwasserschutzgebietes Nethen ist sie Bindeglied zwischen Kammer, Kooperation und dem Wasserverband.  „Wir kennen unsere Gebiete vor Ort und wissen, welche Voraussetzungen mit den Kooperationsvereinbarungen praktikabel sind“, erklärt Wiemken. „Eigentlich wollen wir alle das Gleiche: Trinkwasserschutz, Qualität und Ertrag. Das versuchen wir durch den bewussten Einsatz von Düngemitteln, Fruchtfolgen und Zwischenfruchtanbau zu erreichen“, führt sie aus. Dennoch „knirscht es manchmal“, da die Maßnahmen nicht überall einfach umzusetzen sind. Wer sich der Kooperation anschließt, verpflichtet sich zur gewässerschonenden Landwirtschaft und erhält im Gegenzug eine Ausgleichszahlung.

Seitdem der Generationswechsel auf immer mehr Höfen praktiziert wird, kommt frischer Wind in die Diskussion. „Es ist ein Kreislauf: Wir benötigen Wasser für Menschen und Tiere, damit wir Qualität liefern können, die wieder­um auch gefordert wird. Wir Bauern können nicht alleine die Welt retten.“ Wer dabei helfen und gleichzeitig den Wert der Landwirtschaft schätzen lernen möchte, dem sei ein Urlaub bei Hellmers „mit anpacken“ angeraten.


Schließt Kooperationen zwischen Wasser- und Landwirtschaft: Dr. Christina Aue ­vom OOWV

Dr. Christina Aue, OOWV

Um die Qualität des Trinkwassers zu sichern, braucht es Kooperationen. Diese schließt der OOWV seit mehr als 25 Jahren mit Land­wirten im gesamten Versorgungsgebiet. Federführend im vorsorgenden Trinkwasserschutz ist Projektleiterin Dr. Christina Aue. Die Agrar­ingenieurin knüpft und verwaltet die Kooperationen mit dem Ziel, Belastungen für Boden und Grundwasser durch landwirtschaftlichen Betrieb weitestgehend einzuschränken. Dafür erhalten die Kooperationspartner einen Anreiz in Form von Aufwandsentschädigungen. Mittlerweile hat der OOWV freiwillige Vereinbarungen mit fast 700 Landwirten geschlossen.