Geschäftsbericht
2020
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Spurenstoffe streng kontrolliert

In der gesellschaftlichen Debatte über die Sicherheit unseres Trinkwassers spielen Spurenstoffe eine immer größere Rolle. Neben dem Eintrag von Nitraten durch die Gülleausbringung geraten zunehmend auch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in den Fokus. Sie können über das Grund- und Oberflächenwasser in das Rohwasser gelangen und damit das Trinkwasser und auch den Naturhaushalt beeinträchtigen. Es gibt ungefähr 250 zugelassene Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln. Nach dem Pflanzenschutzgesetz müssen diese Substanzen abbaubar sein, was aber nicht bedeutet, dass sie vollkommen verschwinden. Es können Abbauprodukte von den ursprünglichen Wirkstoffen auftreten. Diese Abbauprodukte bezeichnet man als Metaboliten. Das OOWV-Trinkwasser wird regelmäßig auf Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Metaboliten untersucht. In 2020 wurden 184 Grundwassermessstellen und 56 Förderbrunnen auf Glyphosat untersucht. Bei keiner dieser Proben wurde Glyphosat nachgewiesen. Für die Analysen von Rohmischwasser und Trinkwasser ab Werk gilt dasselbe.

Der OOWV fordert strengere Anforderungen an das Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln, ein Verbot von diesen in Wasserschutzgebieten, sobald deren Wirkstoffe oder Metaboliten im Grundwasser gefunden werden, sowie eine Ausweitung der Kontrolle durch die zuständigen Behörden.

Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur

Wir investieren stetig in unser Versorgungsnetz. Wasserleitungen erfüllen wichtige Funktionen und müssen unterschiedlichen Anforderungen standhalten. Neubaugebiete, die Verdichtung von Siedlungsflächen, strukturelle Anpassung der Regenwassernetze, Starkregen, neue Ver- und Entsorgungsleitungen: Es gibt viele Treiber für die stetig wachsenden Bautätigkeiten im Leitungswesen. Der Austausch von ausgedienten Graugussleitungen ging in 2020 weiter voran. Auf ­dem Wasserwerksgelände am Diekweg in Siegelsum haben wir im November 2020 mit den vorbereitenden Maßnahmen für den Neubau begonnen. Der eigentliche Startschuss für den Neubau beginnt im Frühling 2021. Die voraussichtliche Bauzeit des Neubaus beträgt ca. drei Jahre, so dass 2023 mit der Inbetriebnahme gerechnet werden kann. Das Investitions­-volumen beträgt rund 18,9 Milli­onen Euro. 

Die Kläranlage Hagen konnte im Sommer vom Netz gehen, nachdem die Anlage am benachbarten Sandstedter Standort in den vergangenen Jahren modernisiert und ausgebaut worden war. 13.000 Einwohnerwerte kann die ertüchtigte Anlage nun bewältigen. Damit wurde ihre Kapazität fast verdoppelt. Die Maßnahme wird positive Auswirkungen auf den Stromverbrauch haben und kostete rund 2,9 Millionen Euro.

Planmäßige Modernisierung und Sanierung

Auch die Vareler Kläranlage, mit 2,5 Millionen Kubikmeter zu reinigendem Abwasser jährlich nach Oldenburg die zweitgrößte des OOWV, wurde modernisiert. 

Ein neues Reinigungssystem wurde in der Kläranlage Schillig mit einem Investment von rund 550.000 Euro installiert. 

Auf dem Gelände der Kläranlage Bassum wurde ein Belebungsbecken mittels einer Betonsanierung instandgesetzt. Für circa 500.000 Euro wurde der Erhalt des Beckens nun für gut drei Jahrzehnte gesichert. Die Sanierung der beiden weiteren Belebungsbecken steht in den folgenden Jahren an. Auch am Schönungsteich 3 der Kläranlage standen Arbeiten an, um ihn funktionsfähig zu halten. Rohrleitungen mussten altersbedingt erneuert werden. 

In Cappeln steht nach dem Bruch des Klärschlammspeicherbeckens am 29. Dezember 2015 das Betriebsgebäude inklusive einer neuen Maschinenhalle wieder. Der Bau des neuen Schlammspeichers soll im Sommer 2021 abgeschlossen sein.

Auch die Bauarbeiten auf der Kläranlage Bösel gingen voran. Im Dezember 2020 wurde das Betriebsgebäude fertiggestellt, der Genehmigungsantrag für den Bau des Maschinengebäudes soll im ersten Quartal 2021 eingereicht werden. Zudem ist geplant, einen Sandfang, ein Betriebswasserpumpwerk und ein Elektrogebäude zu erstellen.

Verzögerungen gibt es beim Neubau der Faultürme auf dem Gelände der größten Kläranlage des OOWV in Oldenburg. Entgegen erster Annahmen muss auch der alte eiförmige Faulturm der Kläranlage ersetzt werden. Die Arbeiten sollen 2023 abgeschlossen sein. Die zwei neu erstellten Faultürme sind seit Sommer 2019 erfolgreich in Betrieb.

Wirtschaftlich sinnvolle Entsorgungskonzepte

Zügig voran geht auf der Kläranlage Oldenburg der Neubau des Klärschlammlagerplatzes. Die Lagerfläche wurde 2020 bis auf die Deckschicht fertig asphaltiert, und die Dacharbeiten wurden begonnen. Es können dort in Zukunft rund 5.000 Kubikmeter entwässerter Klärschlamm gelagert werden. Neben dem Oldenburger Klärschlamm wird dort zusätzlich Klärschlamm von rund 30 weiteren Kläranlagen des OOWV behandelt. Das Klärschlammlager dient einerseits zur Erweiterung der Kapazitätsmenge und damit zur Erhöhung der Entsorgungssicherheit, andererseits zum Schutz des Klärschlamms vor Niederschlägen. So kann der Aufwand für die Bewirtschaftung, den Abtransport und die Verwertung des Klärschlamms ­erheblich reduziert werden.

Am Standort der Kläranlage Oldenburg haben wir die Erweiterung der Schlammbehandlung sowie den Neubau und die Sanierung der Faulbehälter weiter vorangetrieben. Durch die Erhöhung der Kapazität der Schlammfaulung soll hier mittel­fristig der gesamte im Verbandsgebiet anfallende Klärschlamm ausgefault werden können. Mit diesem wirtschaftlich sinnvollen zentralen Klärschlammentsorgungskonzept und der energetischen Verwertung des Klärgases streben wir eine autarke ­Energieversorgung der Kläranlage an. Die Fertigstellung der Anlagen mit einem geplanten Investitionsvolumen von 13,9 Millionen Euro erwarten wir im Mai 2021.

Die Investitionen im Kanalnetz beliefen sich für 2020 auf 5,5 Millionen Euro, für die Kläranlage im Übrigen auf rund 10 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt der Kanalbaumaßnahmen war der ehemalige Fliegerhorst. Hier wurde die Erschließung von Wohn- und Gewerbeflächen fortgesetzt. In der angrenzenden Siedlung Brokhausen wurden ebenfalls weitere Regenwasserkanäle im Zuge der geplanten Straßenbauarbeiten erneuert. Eine umfangreichere Maßnahme startete mit dem Ausbau des Teilabschnitts der Bremer Heerstraße zwischen Herrenweg und Uhlenweg. Außerdem wurde der „Weiße Campus“ MediTech Oldenburg entwässerungstechnisch erschlossen. Zentrale Elemente sind sowohl hier als auch beim Fliegerhorst neue naturnah gestaltete Regenwasserrückhaltebecken. Diese sind Teil einer Klimaanpassungsstrategie. Sie halten das Wasser im Fall von Starkregen zurück und geben bei zukünftig zu erwartenden Hitze- und Trockenperioden das gespeicherte Wasser durch Verdunstung an die aufgeheizte Umgebung ab. 

Der OOWV investierte rund 910.000 Euro in die Räumertechnik im ersten Nachklärbecken der Kläranlage in Esens. Für das zweite Nachklärbecken hat der OOWV ein Reaktivierungskonzept entwickelt, um die alten Anlagenteile in das bestehende System einzubinden. So steht dieses künftig beispielsweise auch bei Starkregenereignissen entlastend zur Verfügung. Um die Abwasserentsorgung auf Dauer zu sichern, investieren wir voraussichtlich bis zum Jahr 2024 weitere 11 Millionen Euro in die Abwasserreinigung der Region.

Ein geplantes Speicherpumpwerk im Bereich Lastrup soll die Situation in Cappeln, Essen, Löningen, Lindern und Lastrup verbessern und den erforderlichen Versorgungsdruck jederzeit sicherstellen. Dort planen wir den Bau von zwei Trinkwasser­behältern mit je 5.000 Kubikmeter Speichervolumen. Vor­gesehen ist, den Bau 2022 zu beginnen und Ende 2023 in Betrieb zu nehmen. 

Mit einer neuen Trinkwasserleitung vom Wasserwerk Holdorf nach Lohne konnten wir die Versorgungssituation der Stadt Lohne verbessern. Damit trägt der OOWV dem Wachstum der Stadt Rechnung und gewährleistet eine optimale Versorgung der Haushalte in den höheren Lagen. Der OOWV fördert im Landkreis Vechta nach dem 2020 geltenden Wasserrecht ­4,67 Millionen Kubikmeter Grundwasser und bereitet es im Wasserwerk Holdorf auf. 

Die Sanierung des Pumpwerks am Uhlhornsweg wurde 2019 abgeschlossen. Die geförderte Abwassermenge in dem Areal liegt bei etwa 1,2 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Der OOWV hat hier 700.000 Euro in die Entsorgungssicherheit investiert.

Mit zahlreichen Maßnahmen im Versorgungsgebiet des OOWV sorgen wir für die einwandfreie Funktion der Trink­wasser- und Abwasserleitungen. Die Investitionen belaufen sich auf rund 33,3 Millionen Euro.