Geschäftsbericht
2020
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Kläranlagen als Frühwarnsystem

Die Kläranlage in Oldenburg ist Teil einer seit 2020 laufenden bundesweiten Studie zum Nachweis von Coronaviren im Abwasser. Geleitet wird die Studie vom Helmholtz Institut für Umweltforschung und der Technischen Universität Dresden. Der zuverlässige Nachweis von Fragmenten von Coronaviren im Abwasser könnte als Frühwarnsystem für lokale Corona-Ausbrüche im Einzugsgebiet der untersuchten Kläranlage dienen. An der Studie nehmen bundesweit ca. 100 Kläranlagen teil.

In beiden Unternehmensbereichen entscheidet nicht unser Handeln allein über die zukünftige Entwicklung. Zunehmend muss das Verursacherprinzip greifen, um Schaden und Kosten vom Bürger abzuwenden. Über die Kooperationen, z. B. mit der Landwirtschaft, vor allem aber durch die Einbringung unseres Expertenwissens in eine intensive Verbändearbeit und Einflussnahme auf die Gesetzgebung, steuern wir negativen Entwicklungen nach Möglichkeit entgegen.

Ökologische Lösungen haben Vorrang

Im Jahr 2020 konnte das ökologische Leitbild des OOWV weiter umgesetzt werden. Mit unserem Tochterunternehmen Stadt.Land.Grün GmbH realisierten wir 2020 auf zahlreichen Liegenschaften gezielte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung. Der OOWV plant auch in 2021 Maßnahmen im Zuge der Umsetzung des ökologischen Leitbildes. In sämtlichen Bereichen wollen wir ökologische Lösungen bei wirtschaftlich-technischer Machbarkeit unter Berücksichtigung der Qualität mit Vorrang umsetzen. In vielen betrieblichen Abläufen werden diese Grundsätze bereits beachtet und realisiert, die Entwicklung eines sämtliche Unternehmensbereiche betreffenden Nachhaltigkeitsmanagements streben wir an.

Wir fördern den ökologischen Landbau und die Kooperation mit den Landwirten für den Grundwasserschutz. Mit klaren Vorgaben zu Düngemengen auf verpachteten landwirtschaftlichen Flächen wirken wir der Nitratproblematik entgegen. Ebenso folgen die Pächter unserer Vorgabe und verzichten auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die über 2.000 Hektar vom OOWV verpachteten, landwirtschaftlich genutzten Flächen werden nach den Regeln unseres Grundwasserschutzkonzepts bewirtschaftet.  

Der OOWV hat im Oktober 2020 das Projekt „Ausbau Ökolandbau“ gestartet. Ziel ist der Erhalt gesunder Böden, die als natürlicher Filter im Zuge der Grundwasserneubildung dienen. Die Grundwasserqualität soll erhalten bleiben. Programmende soll Januar 2025 sein. Es ermöglicht einen Ausbau der Ökolandbaufläche in den Trinkwassergewinnungsgebieten und damit eine nachhaltige Sicherung der Grundwasserqualität durch verringerte Nitrateinträge und den Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. 

Eine zusätzliche Herausforderung für die Kooperationsarbeit ist im Jahr 2021 die Festlegung der sogenannten „Roten Gebiete“ im Rahmen der Düngeverordnung. Betroffen sind hiervon auch die Kooperationsgebiete des OOWV. Da bestimmte Maßnahmen durch die Verordnung bereits vorgeschrieben sind, entfällt das erfolgsorientierte Anreizsystem für Landwirte, Grundwasser zu schützen. Hier gilt es, die Bereitschaft zum Grundwasserschutz in den Kooperationen durch die Definition neuer ­Maßnahmen zu sichern.

Kooperation mit Landwirten

Der OOWV pflegt fünf Teilkooperationen mit Aurich-Friesland-Wittmund, Ammerland, Oldenburg, Holdorf und Thülsfelde im Verbandsgebiet mit über 560 landwirtschaftlichen Betrieben (Stand: Dezember 2020). In den Kooperationen beschließen Landwirte und der OOWV jährlich gemeinsam einen Maßnahmenkatalog, der die einzuhaltenden Vorgaben und jeweiligen Kompensationszahlungen beschreibt.

Auf der Grundlage individueller und für fünf Jahre geltender Schutzkonzepte agieren die regionalen Kooperationen weitgehend autark und verfolgen mit der Umsetzung von freiwilligen und weitgehend erfolgshonorierten Vereinbarungen die in den Schutzkonzepten formulierten Ziele. Die Konzepte sind gleichzeitig auch die Finanzierungsgrundlage für den überwiegenden Teil der Kooperationsgelder, die das Land Niedersachsen aus den Einnahmen der Wasserentnahmegebühr zahlt. Je nach Verwendung des Wassers muss diese Gebühr in Niedersachen von jedem an das Land gezahlt werden, der Grund- oder Oberflächenwasser in großen Mengen nutzt. Beim OOWV sind es in 2021 13 Millionen Euro und in 2020 6,5 Millionen Euro, die an das Land Niedersachsen pro Jahr abgeführt werden. Kunden tragen seit Anfang 2021 einen Anteil von 0,15 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser, so dass sich die Kosten auf 13 Millionen Euro erhöhen werden. 

In Summe fließen ca. 2,5 Millionen Euro pro Jahr an unsere fünf Teilkooperationen zurück. In den drei Jahren des aktuellen Fünf-Jahres-Plans insgesamt bisher 7,5 Millionen Euro. ­Im Mittel stehen somit gut 60 Euro pro Hektar und Jahr für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verfügung. Aufgestockt wird der Betrag jedes Jahr um etwa 500.000 Euro, die der OOWV als verantwortungsbewusster Akteur beisteuert, um eine hohe Akzeptanz und Effizienz der Maßnahmen zu erreichen. Somit stehen den fünf Teilkooperationen pro Jahr rund drei Millionen Euro für Grundwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung.

Wasser ist Antrieb für Innovationen. Anfang 2020 haben wir daher das Projekt „Organisationsentwicklung Internationale Zusammenarbeit und Wasserinnovationsnetzwerke“ gestartet. Wir wollen unser Wissen und unsere Kompetenzfelder durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wasserwirtschaft ausbauen und uns als bundesweit gefragter Ansprechpartner in Sachen Wasser positionieren. 

Im Bereich der Unternehmensentwicklung, die von Themen wie der Digitalisierung und dem Informationsmanagement getrieben ist, wurden mehrere Aufgabenfelder festgelegt. So wollen wir unter anderem das Kundenmanagement stärken, Instrumente zur Unternehmenssteuerung optimieren und die internationale Zusammenarbeit ausbauen

Digitalisierung hilft, vorausschauend zu planen

Mit der „Roadmap Digitalisierung“ haben wir festgelegt, wo wir als OOWV in fünf bis zehn Jahren stehen wollen. Das Jahr 2020 wurde dazu genutzt, die ersten Etappen der Roadmap anzugehen und eine Situationsanalyse des aktuellen Digitalisierungsstands vorzunehmen.

Daten, die wir bündeln und analysieren, helfen uns dabei, mit möglichen Risiken wie extremen Wetterereignissen vorausschauend umzugehen. Klimaforscher prognostizieren aufgrund der Klimaänderung eine Zunahme von Hitzeextremen und langer Trockenheit sowie der Häufigkeit, Intensität und Menge an Starkniederschlag. Laut einer Umfrage des VKU erwartet die Mehrzahl der kommunalen Abwasserentsorger eine zu­nehmende Belastung bis potenzielle Überforderung ihrer Entwässerungssysteme infolge der Klimaänderung. 

Die Starkregenereignisse des Jahres 2019 und in den vorangegangenen Jahren im Verbandsgebiet zeigen, dass die Ereignisse sowohl den ländlichen Raum mit kleinen Ortslagen und Gemeinden gleichermaßen wie auch dichtbesiedelte urbane Gebiete treffen können. Charakteristisch sind dabei die hohe räumliche und zeitliche Variabilität und ausgeprägte Ereignisdynamik. Ein flächendeckendes Monitoring und die detaillierte Analyse als Grundlage für eine sachgerechte Beurteilung der Starkregen­ereignisse können nur sinnvoll unter Einsatz von hochaufgelösten Radarregendaten gelingen.