Geschäftsbericht
2020
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Mehr Verbrauch durch Haushalte und Kleingewerbe

Im Bereich der Verbrauchergruppe Haushalte und Kleinge-­werbe wurde festgestellt, dass die wesentliche Eingangsgröße der Bevölkerungsentwicklung vom Niedersächsischen Landesamt für Statistik unterschätzt wurde. In der Folge hat sich real ein höherer Wasserbedarf in der Verbrauchergruppe Haushalt und Kleingewerbe eingestellt als ursprünglich prognostiziert.

Nach aktuellen Auswertungen spielt der klimawandel­bedingte Bedarfsanstieg auch hier in der Verbrauchergruppe Haushalte eine herausragende Rolle. Mittlerweile zeichnet sich ein sig­n­i­­fi­kanter Anstieg des spezifischen Pro-Kopf-Verbrauches von ­ca. 10 Prozent für die letzten Trockenjahre ab.

Überdurchschnittlich viele Hitzetage im Sommer, Trockenheit durch ausbleibende Niederschläge und die zunehmende Nutzung des Trinkwassers für Pool-Befüllungen und Garten­bewässerung sind u. a. Ursachen für deutlich erhöhte Trink­wasserabgaben des OOWV. Weiterhin angespannt ist die Situation im südlichen Verbandsgebiet. Boom-Regionen wie die Landkreise Cloppenburg, Vechta, Oldenburg oder auch das Ammerland verzeichnen ein starkes Wachstum durch Neubaugebiete (Haushalt und Kleingewerbe), Gewerbegebiete und industrielle Anfragen was sich ebenfalls auf den Trinkwasserbedarf auswirkt. 

Die Erhöhung von Wasserrechten und die Erschließung neuer Fördermöglichkeiten sind für den OOWV auf Sicht ­notwendig, um die Versorgungssicherheit vor allem auch in ­Dürreperioden zu gewährleisten. Seit einiger Zeit sehen wir ­uns jedoch vermehrt Forderungen von Bürgern oder Politikern gegenüber, Fördermengen zu reduzieren und stattdessen an anderer Stelle neue Wasserwerke zu bauen. Nicht nur die ­Förderung von Grundwasser zur Trinkwasserversorgung der Menschen wirkt sich auf den Wasserhaushalt und die Umwelt aus. Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren wie z. B. die intensive Feldberegnung oder ausgebaute Entwässerungssysteme und Drainagen. Die Zusammenhänge müssen ganzheitlich betrach­tet und im Rahmen eines Wassermanagements angegangen werden.

Der OOWV hat sich im Berichtsjahr 2020 dafür eingesetzt, das integrale Wasserresssourcen-Management zu forcieren. Der OOWV selbst hat bereits frühzeitig Maßnahmen auf den Weg gebracht und Lösungen für die seit 2018 verschärfte Lage gefunden. Darüber hinaus engagieren wir uns an dem vielversprechenden Projekt der Wasserwiederverwendung – unser Projekt „MULTI-ReUse“ auf der städtischen Kläranlage Nordenham gewann am 27. Mai 2020 den Nachhaltigkeitsaward der Metropolregion Nordwest. An diesem Standort plant der OOWV eine Brauchwasseranlage, um die interessierte Industrie vor Ort mit gereinigtem und aufbereitetem Abwasser über ein separates Netz in Prozesswasserqualität zu versorgen. Rund eine Million Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr könnten auf diese Weise gespart werden.  

Ferner sind wir an der Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien zur Optimierung des Landschaftswasserhaushaltes wie bei der Wasserrückhaltung in Pehmerange, die 2021 startet, beteiligt. Darüber hinaus sind wir in ein Projekt zur Validierung und Optimierung von Beteiligungsprozessen in Wasserrechtsverfahren („Water Co-Governance for Sustainable Ecosystems“) eingebunden. Im Rahmen der Forschung liegt ein Hauptaugenmerk unseres Verbandes auf der nachhaltigen Sicherung der Grundwasserbewirtschaftung in küstennahen Grundwasserleitern. Mit Partnern untersuchen wir im Projekt „goCam“ die Auswirkungen des Klimawandels und die möglichen Gefahren einer Versalzung des Grundwassers im Gewinnungsgebiet des Wasserwerks Sandelermöns. 

Die Nutzung von Regenwasser soll gefördert werden. Hierzu wurde ein gemeinsames Projekt mit dem Landkreis Wesermarsch initiiert. 

Nachhaltiges Wassermanagement

Nachhaltiges Wassermanagement ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie erfordert die Unterstützung der Verbandsmitglieder und Kommunen. Hierzu zählen beispielsweise Beregnungsverbote mit Leitungswasser in langanhaltenden Trockenphasen, Versickerungspflicht von Niederschlägen auf Grundstücken, die Entsiegelung von Flächen und die Ausrichtung der Ansiedelungspolitik. Der Landkreis Vechta hat ­ein Beregnungsverbot zu bestimmten Tageszeiten erstmals im Jahr 2020 erlassen. 

Im selben Jahr konnten wir Fortschritte dahingehend ver­zeichnen, dass wir in den Grundstücksverhandlungen zur Duldung der Leitungsverlegung vorangekommen sind. Zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung ist in kurz- bis mittelfristiger Zeit eine optimale Ausnutzung vorhandener Reserven und die Optimierung der Wasserverteilung im Versorgungsnetz erforderlich. Dieses Ziel wird aktuell durch die Umsetzung mehrerer strategischer Projekte erreicht. Dazu zählen u. a. ­­der Bau einer knapp 40 Kilometer langen Transportleitung ­­von Sandelermöns nach Diekmannshausen. Die Bauphase startet in 2022, die Fertigstellung ist für 2024 geplant. Der Bau eines Speicherpumpwerks in Lastrup ist aktuell in Planung und soll in 2024 abgeschlossen sein. Die Fertigstellung des Wasserwerks Sandelermöns ist für 2025 geplant. Ziel für eine Erteilung der Erhöhung des Wasserrechts für das Wasserwerk Westerstede ­ist das Jahr 2023.

Zum 1. Oktober 2020 hat der OOWV die Abwasserabrechnung der Stadtgebiete Oldenburg und Varel von der EWE übernommen. In diesem Zuge wurden rund 60.000 Vertragskonten in das Abrechnungssystem des OOWV migriert.

Im Bereich Kommunal- und Großkunden verfolgen wir u. a. ­das Ziel der interkommunalen und wasserwirtschaftlichen Kooperation. In 2020 hat der OOWV die Niederschlags- und Oberflächenentwässerung in der Gemeinde Wangerland übernommen und bekanntgegeben, ab 2021 getrennte Entgelte für die Schmutz- und Niederschlagswasserbeseitigung einzuführen. 

Näher an Kundenbedürfnisse heranrücken

In 2020 ist der Bau der Betriebsstellen vorangeschritten. Mit dem Bau der neuen Betriebsstellen in Schortens, Thülsfelde und Holdorf zeigen wir in den Regionen deutlich mehr Präsenz und sind näher an den Bedürfnissen der Kunden. Die Inbe­triebnahmen sind für 2021 geplant. 

Spätestens im Mai 2021 werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die neue Betriebsstelle Holdorf ziehen, in deren Bau der OOWV rund 3,2 Millionen Euro investiert. Hier sind 1.500 Kilometer Trinkwasserleitungen und 1.000 Kilometer Regen- und Schmutzwasserleitungen verlegt, die in der Zuständigkeit des OOWV liegen. Energetisch ist das Gebäude auf dem neuesten Stand.

Seit einer Umstrukturierung der regionalen Zuständigkeiten der OOWV-Betriebsstellen in 2018 wuchs der Verantwortungs­bereich der Betriebsstelle in Thülsfelde um die Kommunen Emstek, Cappeln, Essen und Barßel. Die Betriebsstelle mit ­18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde 2020 in Betrieb genommen und ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die Kun­dinnen und Kunden im Landkreis Cloppenburg. Hier sind ­2.600 Kilometer Trinkwasserleitungen verlegt, hinzu kommen 530 Kilometer Abwasserleitungen sowie außerdem etwa 68.000 Hausanschlüsse: 49.000 im Trinkwasserbereich und 19.000 im Abwasserbereich. Der OOWV investiert an diesem Standort rund 3,2 Millionen Euro. 

Zufriedene Kunden und Mitglieder bilden die Basis für eine dauerhafte Partnerschaft. Mit breitem Rückhalt aus der Bevölkerung gelingt es uns, die Daseinsvorsorge gemäß dem heutigen Solidarprinzip der Landkreise und Kommunen unter dem Dach des OOWV zu sichern. Mit der Aufteilung des Verbandsgebietes in Regionen haben wir die direkte Verbindung zu unseren Mitgliedskommunen gestärkt und sorgen im Miteinander für mehr Verbindlichkeit.

Der OOWV wird von 89 kommunalen Mitgliedern getragen. Jedes Mitglied entsendet zwei Vertreter in die Verbandsversammlung. Der Bereich Abwasserentsorgung wird repräsentiert durch die direkte Mitgliedschaft von 38 Städten, Gemeinden, Samtgemeinden und einem Zweckverband.