Geschäftsbericht
2020
18/44

Geschäftsentwicklung

2020 geht als weiteres Rekordjahr in die Geschichte des ­Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands ein. Im Jahr 2020 haben die Wasserwerke des OOWV insgesamt 84,9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser abgegeben. Speisen die Wasserwerke des OOWV an durchschnittlichen Tagen rund 230.000 Kubikmeter Trinkwasser in das Leitungsnetz ein, so waren es an heißen Tagen im Juli und August bis zu 100.000 Kubikmeter mehr. Diese Menge bedeutet eine große Belastung für die ­Netzinfrastruktur. Im August 2020 gaben die Wasserwerke ­beinahe täglich über 300.000 Kubikmeter Wasser ab. Am ­7. August 2020 wurde sogar ein Volumen von 325.512 Kubik­metern erreicht, kaum weniger als der Höchstwert in der Verbandsgeschichte, der am 25. Juli 2019 mit 346.261 Kubikmetern erzielt wurde. Dies stellte nach Spitzenwerten im Jahr 2019 eine Maximalbelastung der Anlagen dar, Brunnen- und Aufbereitungsanlagen arbeiteten unter Höchstlast. 

Extremsituationen wie diese bringen Wasserversorger an die Grenze des Machbaren. Der OOWV appellierte über Presse­mitteilungen, eine Anzeigenkampagne und mit Radiospots an die Bevölkerung, das Trinkwasser für Zwecke einzusetzen, für die es in erster Linie vorgesehen ist, und auf die Bewässerung von ­Garten- und Grünflächen zu verzichten. Im OOWV-Gebiet liegt der Pro-Kopf-Verbrauch üblicherweise bei 115 Litern am Tag. 

Wasserversorgung uneingeschränkt sichergestellt

Der OOWV zählt zu den zehn größten Wasserversorgern ­in Deutschland. 45 Kläranlagen, 15 Wasserwerke und fünf Speicherpumpwerke betreiben wir in unserem Verbandsgebiet. Die Stärke des OOWV als Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge zeigt sich auch während der Corona-Pandemie: Die Wasserversorgung und -entsorgung waren jederzeit un­eingeschränkt sichergestellt. 

Als Körperschaft des öffentlichen Rechts arbeitet der OOWV im Trinkwasserbereich ohne Gewinnerzielungsabsicht. Es gibt weder Dividenden für Aktionäre noch sonstige Gewinnaus­schüttungen. Überschüsse werden direkt in die Infrastruktur investiert. Im Abwasserbereich arbeitet der OOWV in Anlehnung an das niedersächsische Kommunalabgabengesetz kostendeckend und ist verpflichtet, die Entgelte je nach Entwicklung zeitnah anzuheben oder zu senken. Sie werden jährlich kalkuliert und beinhalten unter anderem Kosten für Personal, Energie und Klärschlammentsorgung, die Abwassermenge, Bevölkerungszahl, Investitionen und Unterhaltungsmaßnahmen. Diese Faktoren sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich, weshalb Entgelte nicht miteinander vergleichbar sind.

Der Wasserverband gehört mit rund 875 Beschäftigten und 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Beteiligungen zu den wichtigen Arbeitgebern im Nordwesten. Der OOWV sorgt als Wasser- und Bodenverband vor allem im Weser-Ems-­Gebiet für die Versorgung von Privatkunden, Unternehmen und kommunalen Einrichtungen mit Trinkwasser und übernimmt die fachgerechte Entsorgung des Abwassers in vielen Kommunen der Region. Im Gesamtunternehmen betreuen wir 1.104.478 Einwohner. Trinkwasserver- und Abwasser­entsorgung im Verbandsgebiet stellen unser Kerngeschäft in der Daseinsvorsorge dar. 

Wachstum lässt Wasserbedarf steigen

Neben dem veränderten Verbrauchsverhalten der Kundinnen und Kunden in Corona-Zeiten und klimatischen Gründen beeinflussen weiterhin wachsende Wohnbau-, Industrie- und Gewerbegebiete, das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in einzelnen Regionen sowie die Versorgung von Tieren in ­landwirtschaftlichen Betrieben den Wasserbedarf. 

Fast ausgeschöpfte Förderrechte in den Wassergewinnungsgebieten und äußerst komplexe Wasserrechtsverfahren verdeutlichen die Herausforderung der Zukunft. Auch Kooperationen mit benachbarten Wasserversorgern sind zukünftig Bestandteil eines integrierten Gesamtversorgungskonzeptes. 

Im Rahmen der Kooperation mit dem Eigenbetrieb Wasserwerk Varel konnte mit der Belieferung in das Verbandsgebiet des OOWV begonnen werden. Die Planungen zur Wasser­belieferung durch die GEW Wilhelmshaven GmbH aus dem Landkreis Friesland konnten entscheidend vorangebracht werden. Im Rahmen der Kooperation hat die Eigenbeteiligung mit der Belieferung des OOWV begonnen. Weitere Mengen sollen vom Wasserwerk Ristedt der Harzwasserwerke GmbH im Landkreis Diepholz bezogen werden. Vorbereitende Maßnahmen wurden im Berichtsjahr 2020 durchgeführt. Der OOWV ist Mitgesellschafter der Harzwasser-Kommunale Wasser­versorgung (HKW) GmbH. Die HKW ist ein Gesellschafter der Harzwasserwerke als Zusammenschluss von 39 kommunalen Versorgern. Die Erhöhung von Wasserrechten und die Erschließung neuer Fördermöglichkeiten ist für den OOWV auf Sicht notwendig, um die Versorgungssicherheit gerade auch in Dürreperioden zu gewährleisten.

Mit EWE Wasser GmbH, hanseWasser Bremen GmbH und der swb AG bauen wir eine Klärschlammmonoverbrennungsanlage am Standort Bremen. Die erforderliche Genehmigung für die gemeinsame Gesellschaft „Klärschlammentsorgung Nordwestdeutschland“ (KENOW) wurde durch die zuständigen Behörden im Jahr 2020 erteilt. Erste Arbeiten wie die Untersuchung des Untergrunds und Gründungsarbeiten haben bereits stattgefunden. Die Inbetriebnahme ist für das Frühjahr 2023 vorgesehen.

Das regional stark ausgeprägte Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum stellt für die Abwasserentsorgung zunehmend eine Herausforderung dar. Steigende Schmutzwassermengen durch florierende Industrie-, Gewerbe- und Wohnbaugebiete erfordern die Ertüchtigung und Erneuerung von Kläranlagen. Dem dynamischen Wachstum stehen lange und komplexe Genehmigungsverfahren gegenüber, welche die zeitnahe Umsetzung von notwendigen Maßnahmen verlangsamen und behindern.

Wasser ist eine sprudelnde Quelle für unsere Wirtschaftskraft, wirtschaftliche Entwicklung von Regionen und unseren Wohlstand. Es ist nur gemeinsam zu schaffen, die bevorstehenden Herausforderungen in der Wasserversorgung zu bewältigen. Der dem OOWV zugrunde liegende Solidargedanke, der auf dem Ausgleich zwischen Wassermangel- und Wasserüberschussgebieten beruht, muss bestätigt und fortgeschrieben werden. Wir haben in 2020 die Gespräche mit den Mitgliedern intensiviert.

Aufgrund des steigenden Wasserbedarfs im gesamten Verbandsgebiet sowie klimatisch bedingter Entwicklungen, die zu Bedarfsspitzen in Trockenphasen führen, überarbeiten wir die wasserwirtschaftlichen Grundlagen für die Weiterentwicklung des Wasserversorgungskonzeptes. Neben der Erweiterung unseres Prognosemodells für den zukünftigen Wasserbedarf haben wir die flächendeckende hydrogeologische Erkundung des Verbandsgebietes intensiviert. Die wasserwirtschaftlichen Untersuchungen sollen in den kommenden Jahren Erkenntnisse zu neuen, nutzbaren Wasservorkommen im Verbandsgebiet liefern. Neben der Erschließung weiterer Grundwasservorkommen werden alternative Versorgungsmöglichkeiten untersucht. Mit dem bereits gewonnenen Wissen bringt der OOWV sich in die Erarbeitung des landesweiten Wasserversorgungskonzeptes des Niedersächsischen Umweltministeriums ein.