Geschäftsbericht
2020
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Forschung und Entwicklung

Mit Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) hat der OOWV erstmals ein Salzwasser-Überwachungssystem (SAMOS) auf der Insel Spiekeroog installiert. Mit Hilfe der geoelektrischen Messeinrichtung werden Veränderungen der Salz- und Süßwassergrenze im Schutzdünenbereich der Insel überwacht. Die Echtzeitinformationen liefern entscheidende Erkenntnisse für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung durch den OOWV. 

In verschiedenen (Förder-)Projekten entwickeln wir gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern Lösungen. 

In dem Forschungsprojekt „MULTI-ReUse“ auf der städtischen Kläranlage Nordenham geht es um die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser. Die Pilotanlage auf der Kläranlage Nordenham ist mittlerweile abgebaut, die Idee einer dauerhaften Umsetzung konkret. 2023 soll sie möglichst in Betrieb gehen. Parallel treibt der OOWV die Planungen für den Bau der großtechnischen Anlage – die erste ihrer Art in Deutschland – sowie eines separaten Versorgungsnetzes voran. Darüber hinaus ist eine Grundsatzvereinbarung zwischen der Stadt Nordenham und dem OOWV geschlossen worden. Sie besagt, dass die Stadt dem OOWV das gereinigte Abwasser der Kläranlage zum Zwecke der Brauchwasseraufbereitung zur Verfügung stellt. 

Das INTERREG VB Forschungsvorhaben CATCH (water sensitive Cities: the Answer To Challenges of extreme weather events) beschäftigt sich mit den besonderen Bedürfnissen mittelgroßer Städte, die sich mit den Folgen extremer Wetterereignisse auseinandersetzen müssen. Im Rahmen des Projekts werden von den beteiligten Partnern dafür unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen entwickelt und untersucht. Für den OOWV steht der Starkregen und hierbei insbesondere das Stadtgebiet Oldenburg als Pilotgebiet im Fokus. Wir arbeiten mit lokalen Akteuren an unterschiedlichen Maßnahmen, welche die Entwicklung zu einer wassersensiblen Stadtentwicklung fördern sollen. Als Pilotmaßnahme wird in der ersten Jahreshälfte 2021 eine neuartige Verkehrslenkung immer dann zum Einsatz kommen, wenn eine Überflutungssituation im Bereich der Alexanderstraße auftritt. 

Ein elementarer Baustein der wassersensiblen Stadtentwicklung ist die im Rahmen des Projekts entwickelte Handlungskarte „Wassersensible Stadtentwicklung Oldenburg“. Sie soll künftig für Denkanstöße und als Hilfsmittel bei Planungen und Entscheidungen innerhalb der Stadt dienen. Finalisiert werden die Handlungskarte sowie der Katalog bis zum Ende des Projekts Mitte 2021.

Seit dem 1. Dezember 2015 ist der OOWV Projektpartner in dem durch die Interreg Nordsee Region geförderten Projekt Topsoil. Gemeinsam mit 24 Partnern aus Deutschland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien arbeitet der OOWV im Rahmen des Projekts an der Erforschung der oberen 30 Meter des Bodens, seiner Bewirtschaftung und dem Schutz des Grundwassers. In Zusammenarbeit mit Landwirten werden vor Ort Maßnahmen zur angepassten Bearbeitung von empfindlichen Böden diskutiert, Messungen zu Nitrat im Boden vorgenommen, und die Landwirte erhalten digitale Hofbodenkarten zur Unterstützung der bedarfsgerechten Düngung. Das Projekt Topsoil beantragte erfolgreich eine Verlängerung bis Dezember 2021 und ein zusätzliches Budget von 1,1 Millionen Euro für alle 14 Pilotgebiete. 

Wasser ist Teil unserer Natur, sichert Wachstum und Wohlstand, sorgt für Gesundheit und Erholung. Unser soziales, wirtschaftliches und natürliches Ökosystem wäre ohne Wasserkreislauf nicht denkbar. Diese Bedeutung macht nicht an Landesgrenzen halt. Der Fragestellung, wie sich EU-Richtlinien, die dem Schutz unseres Wassers in der Nordseeregion dienen, auf lokaler Ebene umsetzen lassen, wird in dem Interreg-Projekt „Water Co-Governance for Sustainable Ecosystems“ (WaterCoG) nachgegangen. Das Projekt wird durch die Europäische Union im Rahmen des INTERREG-VB-Nordsee-Programms seit dem 1. Januar 2016 gefördert. Partner aus Dänemark, Schweden, Belgien und den Niederlanden sind gemeinsam mit dem OOWV im Projekt engagiert. 

Das Projekt WaterCoG beantragte erfolgreich eine Verlängerung bis Oktober 2021. Der OOWV wird sich in diesem Projekt dem Ziel zuwenden, das Verständnis für den Wasserkreislauf in der Bevölkerung zu stärken. 

Der OOWV engagierte sich auch am Projekt WaterStart, welches in 2020 gemeinsam mit der niederländischen Water Alliance ins Leben gerufen wurde. Ziel des Projekts ist, gemeinsame Herausforderungen und Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Wasserwirtschaft auf deutscher und niederländischer Seite zu identifizieren.

In 2020 hat sich der OOWV erfolgreich um neue Förderprojekte beworben. So wird beispielsweise im Jahr 2021 das Projekt „Initiierung eines Dialogprozesses zum Aufbau eines Partnernetzwerkes mit der baltischen Wasserwirtschaft – BaltAqua“ starten. Ebenfalls erfolgreich verlief die Bewerbung auf Mittel des Landes Niedersachsen zur Entwicklung von Wassermengenmanagementkonzepten für das Projekt „NaWaPeh – nachhaltiges Wasserressourcenmanagement für Pehmertange“.

Eine Förderung des Landes Niedersachsen erhalten wir für unser Projekt mit dem Titel „Förderung von nicht investiven Projekten im Ökologischen Landbau – Projektförderung für Wissenstransfer- und Informationsmaßnahmen“. Bereits gestartet ist das neue OOWV-Projekt zum Thema „Energieoptimale Regelung der biologischen Reinigungsstufe von Kläranlagen mittels eines adaptiven Fuzzy-Reglers“.