Geschäftsbericht
2020
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Lagebericht 2020


GESCHÄFTSTÄTIGKEIT UND RAHMENBEDINGUNGEN




Wirtschaftliches Umfeld

Seit März 2020 befindet sich Deutschland im Kampf gegen die Pandemie. Die damit verbundene Belastung für die deutsche Wirtschaft wiegt schwer. Im Jahr 2020 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr preisbereinigt um 4,9 Prozent auf 3,33 Billionen Euro, eine Entwicklung, die unmittelbar im Zusammenhang mit der Corona-Krise steht. 

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte im Inland ­gingen nach den Konzepten der volkswirtschaftlichen Gesamt­­rechnungen im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent in jeweiligen Preisen und um 5,0 Prozent preisbereinigt zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit 1970.  


Im Jahr 2020 lag das verfügbare Einkommen der Volkswirtschaft Deutschland bei rund 2,72 Billionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Bruttolöhne hierzulande um 0,8 Prozent. Die Sparquote der privaten Haushalte betrug in 2020 16,2 Prozent. 

Die Verbraucherpreise in Deutschland erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2020 um 0,5 Prozent gegenüber 2019 und damit deutlich geringer als im Vorjahr (2019: +1,4 Prozent). Im Dezember 2020 lag die Inflationsrate − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – bei –0,3 Prozent. Sie war damit zum fünften Mal im Jahr 2020 negativ.


Die Ausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts sind im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 12,1 Prozent auf 1.678,6 Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig sanken die Einnahmen um 3,5 Prozent auf 1.489,4 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, errechnet sich daraus in Abgrenzung der Finanzstatistiken ein kassenmäßiges Finanzierungsdefizit von 189,2 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis zeigt deutlich die Folgen der Corona-Krise für die öffentlichen Haushalte. Es handelt sich um das erste Defizit seit 2013 und das höchste seit der deutschen Vereinigung.

Infolge des schwachen privaten Konsums und der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ab dem 1. Juli 2020 nahmen auch die Einnahmen aus Gütersteuern um 6,9 Prozent ab. ­Allein die Einnahmen aus Sozialbeiträgen stiegen leicht um 1,7 Prozent. 

Auch im Oldenburger Land waren und sind die wirtschaftlichen Spuren der Corona-Pandemie sichtbar. Der IHK-Konjunkturklimaindex, das Stimmungsbarometer der regionalen Wirtschaft, fiel im Frühjahr auf 55,3 Punkte und erreichte den tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnung. Zum Jahresende stand er bei 95,4 Zählern.

Der Brexit erfolgte am 31. Januar 2020 und ist durch das am ­24. Januar 2020 unterzeichnete Austrittsabkommen geregelt. In der dort bis zum 31. Dezember 2020 vereinbarten Über­gangs­phase wurden bis zum 24. Dezember 2020 die langfristigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union neu ausgehandelt. Diese stellen die Beziehungen auf eine neue Grundlage und sehen insbesondere eine breite Wirtschaftspartnerschaft vor. Das Verhältnis der Europäischen Union zum Vereinigten Königreich verändert sich ab dem 1. Januar 2021 grundlegend und unterscheidet sich wesentlich von der Teilnahme am EU-Binnenmarkt: Das Vereinigte Königreich wird ein Drittstaat.

Ziel: klimaneutral werden

Auf EU-Ebene wurde in 2020 der „Green Deal“ verabschiedet. Damit die mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen gemeistert werden, umfasst er einen Fahrplan mit Maßnahmen, um den effizienteren Umgang mit Ressourcen zu fördern. Er ist ein von der Europäischen Kommission unter Ursula von der Leyen am 11. Dezember 2019 vorgestelltes ­Konzept mit dem Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. Von erheblicher Bedeutung ist dabei eine saubere und kreislauforientierte Wirtschaft, die gegen den Verlust von Biodiversität vorgeht und Schadstoffbelastungen reduziert. Die neuen umweltpolitischen Maßnahmen sollen sich auf alle Wirtschaftszweige – von Verkehr, Energie, Landwirtschaft bis zu Industrie – erstrecken. Für den Wasser-Bereich sind folgende Maßnah­men relevant: Erhaltung der Biodiversität in Seen, Flüssen und ­Feuchtgebieten; Verringerung der Verschmutzung durch überschüssige Nährstoffeinträge; Maßnahmen zur deutlichen Verringerung des Einsatzes und des Risikos chemischer Pesti­zide sowie des Einsatzes von Düngemitteln und Antibiotika; Ver­ringerung besonders schädlicher Verschmutzung durch Mikroplastik und Arzneimittel/­Null-Schadstoff-Ziel für eine schadstofffreie Umwelt.

Die EU ist die einzige große Volkswirtschaft der Welt, die im Einklang mit dem Übereinkommen von Paris Rechtsvorschriften für alle Wirtschaftszweige erlassen hat, um die Treibhausgasemissionen zu senken. Seit Februar 2021 sind die USA wieder Mitglied im Pariser Klimaabkommen. Darin haben sich die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 2020 gemeinsam eine Treibhausgasemissionsreduktion von mindestens 40 Prozent im Vergleich mit 1990 zu erreichen.